Vision Freiheit

Junge Theaterakademie überzeugt mit „Vision Freiheit“

Überzeugende Premiere im Salmen / Offenburger Schüler als Revolutionäre
Mit viel Überzeugungskraft hat die Junge Theaterakademie mit dem Stück »Vision Freiheit« das Leben der Offenburger Revolutionäre auf die Bühne gebracht.
 »Vision Freiheit« lebte von der Verve der Jugend: Schüler des Grimmelshausen-Gymnasiums brachten die Geschichte der Offenburger Revolutionäre auf die Bühne. Die jungen Darsteller glänzten bei der Premiere am Donnerstag nicht nur mit schauspielerischem Talent.

Es waren dramatische Zeiten in Offenburg, als sich 1847 die Revolutionäre trafen und 1848 versuchten, ihre Gedanken von Freiheit und Gleichheit durchzusetzen. Genug Stoff für die Bühne also: Die Schüler des Grimmelshausen-Gymnasiums hatten sich daran gewagt, die Geschehnisse in einer freien Version im Salmen – dem Ort des damaligen Geschehens – zu inszenieren.

Eine glückliche Hand hatte Theaterlehrer Paul Barone bei der Besetzung der Hauptrollen gehabt. Sebastian Scheringer schaffte es gewissermaßen spielend, sich in den Revolutionär Karl Heinrich Schaible zu versetzen. Schon der spektakuläre Sprung vom Balkon im Theatersaal sorgte zum Auftakt des Theaterstücks für Furore: Außer zu schauspielern trainiert er nämlich auch noch den Trendsport Parkour – genauso wie Léo Brillet. Dieser gab Franz Volk, der nicht nur für die freiheitliche Demokratie, sondern auch für seine Liebe kämpfte.

Denn natürlich warf das Theaterstück auch noch etwas fürs Herz ab: Franziska von Schauenburg, genannt Fanny, brannte für die freiheitliche Idee – und den Studenten Franz Volk. Eine seufzende Anna Lötsch las Briefe und sang Lieder – auch als ihr Liebster hinter Gittern saß. Es gab mehrere raffinierte Zäsuren, die den Fortgang der Beziehung spannend machten, ein Happy-End gab es indes nicht: Volk musste ohne seine Liebste fliehen, die sich nicht traute, ihren Vater vor den Kopf zu stoßen.

Ihre Schwester Luise (Onisha Wilsi) setzte sich ausschließlich für die Ordnung ein – Hauptsache, das Muster im Stickrahmen passte. Ebenfalls überzeugen konnten mit souveränem Auftritt und selbstbewussten Worten Inken Timmermann als Anna Rée und Nina Labiche als Nanette Rehmann, also als die Frauen, die hinter ihren Männern für den Freiheitsgedanken standen. Julia Allemann glänzte als die historisch verbriefte, verarmte Agatha Schmidt in der Gefängnisszene: Ein Gemeindebeamter quälte die Mutter, bis sie der Ausreise in die USA zustimmte, um mit ihrem Kind zusammenzubleiben.

Es gab stimmige Massenszenen mit dem Ensemble, das unter anderem Freiheitslieder sang. Besonders beeindruckend war die Szene, als die Jugend auf die Barrikaden ging: Der Moment, als da alle standen, war ein Bild, das ein Weilchen kraftvoll wirken durfte. Doch Bürgermeister Gustav Rée (Heiko Kirchner) bremste sie aus: Sie würden nur nutzlos mit dem Leben bezahlen, statt ihre Ziele zu erreichen, sagte er, und »handelte« mit Revolutionären und Regierungstruppen eine zunächst friedliche Lösung aus.
Hervorragend abgestimmt waren die Kompositionen von Gerhard Möhringer-Groß, die dem Stück dramaturgische Spannung verliehen.

Ein bisschen hätte die Regie das selbst entwickelte Stück noch straffen können: Der »Geschichtsunterricht« von der Bühne mag geduldige Erwachsene fesseln, sicherlich nicht aber die unteren Klassenstufen, für die das Theaterereignis ja eigentlich auch gedacht sein sollte.
Zur perfekten Premierenfeier trugen die Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen Offenburg bei, die das Ensemble mit prächtigen Kleidern ausgestattet hatte. Die Mädchen kreierten ein Badisches Büfett mit Fingerfood mit vegetarischen und anderen Kleinigkeiten sowie traumhaften Süßspeisen.

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt, 5. Dezember 2015

Vision Freiheit

Es ist eine großartige Aufführung gewesen, die Paul Barone zusammen mit Patrick Labiche mit der Theaterakademie auf die Salmen-Bühne gebracht hat. „Vision Freiheit“ handelt von der Freiheitsbewegung 1847-49 in Offenburg, von der Liebesgeschichte zwischen Franz Volk und Franziska von Schauenburg. Schüler/innen und Ehemalige des Grimmelshausen-Gymnasiums schafften es, revolutionäre Dynamik, konterrevolutionäre Reaktion und das Private im Politischen authentisch und glaubwürdig zu spielen. Die Bilder, die durch die szenische Darstellung immer wieder entstanden, gehörten zu den großen Stärken der Inszenierung. Diese überzeugte insbesondere auch durch das Schüler-Lehrer-Kammerorchester, von Gerhard Möhringer-Gross dirigiert, der auch die Musik für das Stück eigens komponiert hatte. Wo kann man heute noch Musik- und Theater-Spiel so kongenial miteinander verwoben erleben? Doch damit waren die Offenburger Kooperationsmöglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. Schülerinnen und Schüler der haus- und landwirtschaftlichen Schule gestalteten das licht- und farbintensive Bühnenbild, nähten und entwarfen die Kostüme nach der Vorlage des Revolutions-Comics von 1997 und präsentierten in der Premierenpause am 4. Dezember ein absolut professionelles Catering. Die Offenburger Bürgerstiftung St. Andreas unterstützte die Produktion mit 3000 Euro.

Wolfgang Reinbold, Pressestelle Stadt Offenburg

Geschichte der Revolutionäre

„Vision Freiheit“ von der Jungen Theaterakademie als Dokudrama auf die Bühne gebracht.

Die Geschichte der Revolution 1848/49 in Offenburg wurde am Donnerstagabend im Offenburger Salmen als „Vision Freiheit“ von der Jungen Theaterakademie in zahlreichen kurzen Szenen als Dokudrama auf die Bühne gebracht. Das Premierenpublikum war begeistert von der hervorragenden Leistung der rund 30 Schauspielerinnen und Schauspieler, die zum überwiegenden Teil das Grimmelshausen-Gymnasium besuchen.

Der historischen Erzählperspektive, die zwischendurch ein bisschen in Richtung Geschichtsunterricht abrutscht, ist zuzuschreiben, dass es dem Stück insgesamt ein wenig an dramatischem Spannungsbogen mangelt. Die Stärke des zweieinhalbstündigen Theaterabends, bei dem Paul Barone und Patrick Labiche Regie geführt haben, sind die großen Bilder, die sicher auch den Schülern, die das Stück noch besuchen werden, im Gedächtnis bleiben. Diese Zielgruppe wird sich auch besonders über die akrobatischen Einlagen der beiden männlichen Hauptdarsteller freuen. Und dass hier die historischen Fakten hinter den Offenburger Straßennamen mit Leben erfüllt werden, ist ein echter Beitrag zur Heimatgeschichte. Soziale Verwerfungen, erzwungene Auswanderung, Fürstenwillkür und Polizei-Folter werden thematisiert und ergeben ein düsteres Bild der damaligen Zustände. Der revolutionäre Impetus der Offenburger Bürger, den die jungen Schauspieler mit lokalpatriotischem Stolz präsentieren, wird nachvollziehbar.

Großen Anteil an der Inszenierung hat das einfache, aussagekräftige Bühnenbild, das – wie die Kostüme und das Catering am Premierenabend – von Schülerinnen und Schülern der Haus- und landwirtschaftlichen Schule beigesteuert wurde. Ein junger Mann, eine junge Frau, die als immer wieder andersfarbig angestrahlte Schattenrisse mutigen Schrittes auf die Mauer zugehen, die sie trennt. Diese beiden finden ihre Entsprechung in zwei Szenen, bei denen die Hauptdarsteller des Stückes sich am vorderen Bühnenrand entgegengehen und dann einfrieren in der Haltung der Freiheits-Skulptur von Jonathan Borowsky auf dem Offenburger Kulturforum, die zur Ikone des Stückes wird.

Die Geschichte der Offenburger Revolutionäre Karl Heinrich Schaible (Sebastian Scheringer), Franz Volk (Léo Brillet), Emmerich Barth (David Povkh), Gustav Rée (Heiko Kirchner) und seiner Frau Anna (Inken Timmermann) wird mit genauen Datumsangaben nacherzählt, ihr Ringen um die Frage nach dem richtigen Weg in eindrucksvollen Szenen nachvollziehbar gemacht. Eine wichtige Rolle im Stück nehmen die Frauen ein. Im Geschwisterpaar Franziska (Anna Lötsch) und Luise (Onisha Wilsi) von Schauenburg wird die Haltung des Adels reflektiert.

Die von Gerhard Möhringer-Gross eigens komponierte und von einem Schüler-Lehrer-Kammerorchester der Musikschule hervorragend gespielte Musik zum Stück schafft eine intensive und spannende Atmosphäre. Ganz starke, vielleicht die stärksten Momente entstehen durch die Lieder, die voller Emotion und mit großem Ernst vom Ensemble und auch von Solisten dargeboten werden.

Die Message der „Vision Freiheit“ bleibt: „Ob wir rote, gelbe Kragen, Hüte oder Helme tragen“ – „Die Gedanken sind frei“.

Juliana Eiland-Jung, Badische Zeitung, 7. Dezember 2015

OB Edith Schreiner, Rede beim Neujahrsempfang der Stadt Offenburg 2016

Als Vision Freiheit von der Jungen Theaterakademie und dem Grimmelshausen-Gymnasium unter der Regie von Paul Barone und mit Eigenkompositionen von Gerhard Möhringer-Groß im Salmen aufgeführt wurde, ist vielen Zuschauern erstmals so richtig klar geworden, in welcher Freiheitstradition Offenburg steht – und was Männer wie Gustav Rée, Franz Volk und Karl Heinrich Schaible oder Frauen wie Nannette Rehmann gewagt haben. Und warum es einen Franz-Volk-Park, ein Schaible-Stadion, ein Rée-Carée oder eine Franz-Ludwig-Mersy-Straße gibt.