Roter Ritter Parzival

Flapsige Sprüche und schrille Typen

Roter Ritter Parzival: Die Gemeinschaftsproduktion von Grimmelshausen-Gymnasiums, Musik- und Kunstschule ist tolles Theater.

Wer erleben will, wie spritziges, buntes, fantasievolles und zeitgemäßes Schultheater inklusive Botschaft aussieht, der hat am heutigen Samstag Gelegenheit: Um 16 Uhr wird das Stück „Roter Ritter Parzival“ von Nora Khuon und Markus Bothe nochmals im Salmen aufgeführt. Eine weitere Vorstellung gibt es am Dienstag, 27. November 2012, 19 Uhr.

Erzählt wird die Geschichte von Parzival, Gralssucher und Ritter der Tafelrunde. Sie wird auf unterhaltsame Weise erzählt, die Szenen sind kurz, die Erzählstränge werden wie im Film gegeneinander geschnitten. Parzival ist der reine Tor, der nichts von der Welt weiß und Ritter werden will. Es ist eine Entwicklungsgeschichte: Parzival muss lernen, sinnvolle Ideale von falschen zu unterscheiden. Hier Stolz, Kampfeslust, oder eben, dass ein echter Ritter eine harte Nuss ist: Fragen stellen oder Gefühlsregungen nachgeben, das gehört nicht zum Programm.

Auf der anderen Seite steht „Hör auf den Herz“ und „Habe Mitleid“, was zunächst mal eher uncool scheint. Der Gral selbst wird hier zum Symbol des Mitleids – ohne ihn geht eines Tages die Sonne nicht mehr auf, und die Menschen hassen sich nur noch. Das ist eine zeitgemäße Deutung, die auch der christlich geprägten Gralsmythologie nicht entgegensteht.

Und die Sprüche: „Habt ihr Parzival gesagt, dass er herkommen soll?“ Antwort: „Äh, nein … wir haben keinen Termin gekriegt!“ Derlei kommt gut an. Dem steht Herbes entgegen: Zwei junge Frauen trauern um zwei Ritter, die sich erschlagen haben, ihrer blödsinnigen Machohaltung wegen.Das Stück spricht ein jugendliches Publikum an mit witzigen Ideen, flapsigen Sprüchen, schrillen Typen, schöne Kostümideen. Artus und seine Ritter sind auf City-Rollern unterwegs. Sie tragen als Rüstung kraftvoll gefärbte T-Shirts, die Epauletten sind aus Stanniol, ins Gesicht sind Runen und Ornamente geschminkt, was richtig gut aussieht. Fantasy-Filmwelten werden sichtbar: Der böse Klingsor als Gegenspieler Parzivals erinnert an einen Film-Dämon, Gestik und Mimik ist dem angepasst bis ins Detail, etwa wie er sein übergroßes Weinglas anfasst oder Befehle mit der Hand unterstreicht.Seine Gehilfin Kundry gibt es gleich dreifach, als immerzu kreischendes Mädchentrio, das so dümmer ist als ein Blondinenwitz. Gawain ist der charmante Womanizer, der von hilfebedürftigen Jungfrauen erst einen Kuss will, ehe er tätig wird. Es gibt auch reichlich Slapstick: Parzival und Gawain weisen sich nach einem Kampf gegenseitig auf ihre Wunden hin. „Du blutest!“ – „Du auch!“ Prompt fallen sie beide in Ohnmacht.

Zugleich steckt da ganz viel wundervolles Detail in der Inszenierung von Grimmelslehrer Paul Barone und seinem Team. Denn hier handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion von Grimmelshausen-Gymnasium, Musikschule und Kunstschule. Toll, wie mit Farben und Lichtstimmungen gearbeitet wird. Als der Held den Gral findet, leuchtet eine Fahne in der Bühnenmitte mit einem Triskell, einem keltischen Symbol, wie eine Sonne auf. Die Musik, komponiert von der Flötistin Ines Zimmermann, gibt den Personen Leitmotive mit: Das Erscheinen des Grals etwa wird mit hymnischer Musik angekündigt. Rund 30 Leute stehen da auf der Bühne. Trotzdem ist nichts kuddelmuddlig, Stück, Szenen, Auftritte – alles klar gegliedert. Fazit: Tolles Theater!

Robert Ullmann, Badische Zeitung, 24. November 2012