Emil und die Detektive

Ein flott gemachter Klassiker

Mit einer heiteren Inszenierung von Erich Kästners »Emil und die Detektive« begeisterte die Theater-AG der Grimmelshausen-Gymnasiums im Salmen. Auf der Bühne und hinter den Kulissen waren mehr als 30 Schüler aktiv.

»Emil und die Detektive« erwiesen sich Renner: Zwei Mal gab’s schon eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn keinen Sitzplatz mehr im Salmen, als die Unterstufen-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums ihr aktuelles Theaterstück aufführte. Rund 30 Schüler zeigten das Ergebnis fleißigen Probens: Eine launige Aufführung des Kinderbuch-Klassikers, die richtig flott über die Bühne ging.
Getragen wurde das Stück von der Hauptfigur: Lukas Herrmann zeigte als Emil erstaunliche Bühnenpräsenz. Egal, ob er sich cool von seiner Mutter (Svenja Böhm) verabschiedete oder peinlich berührt gestand, dass er das Denkmal bemalt ha be – Lukas beherrschte die ganze Bandbreite erforderlicher Emotionen. Aber auch schlicht als Junge, der nicht gern in seinem guten Anzug steckte, überzeugte er.
Ihm in nichts nach stand Gustav mit der Hupe, den der in Berlin gestrandete, bestohlene Provinzler als Freund gewinnt. Die Markenzeichen Mütze, abgerissenes Hemd und Hochwasser-Hose verliehen Lukas Groh sofort das Image des Chefs der Straße. Fröhlich plaudernd brachte er das Stück auf seine Weise voran – schließlich musste die Diebin dingfest gemacht werden. Dabei halfen freilich auch Freunde wie der Professor (Laura Göppert) oder der kleine Dienstag (Charles Thiebaud). Die Rasselband erfreute durch fantasievolle Einfälle bei der Verbrecherjagd – so zogen sie mehrfach durch den Saal und brachten das Stück ganz nah an die Zuschauer heran. Requisiten mit nostalgischem Charme zogen die Betrachter zusätzlich ins Geschehen hinein.
Dankbar war auch die Rolle von Pony Hütchen. Joana Günther durfte Emils kecke Cousine spielen. Zwei freche Zöpfe, Shorts und ein altes Damenrad machten sie zum perfekten Berliner Gör: Mit großer Natürlichkeit spielte sie das ungezwungene Mädchen.
Nadine Mika hatte die Rolle der frechen Bankräuberin Frau Grundeis übernommen. Da hieß es mit Arroganz zum Bankschalter zu stöckeln und die Kinder abzuwimmeln, die sie stellen wollten. Ehrensache, dass dies nicht gelang und die Gerechtigkeit siegte.
Nochmals richtig Schwung in die Darbietung brachte Kommissar Lurje. Schon als Lukas Rieder mit aufgemaltem Stoppelbart zum Evergreen »Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n« sein Vesper mampfte, erheiterte er das Publikum. Wie der behäbige Polizist sich dann aber hinterm Schreibtisch hervorhievte und mit Emil parlierte, war erst recht zum Lachen.
Unter Regie von Lehrer Paul Barone ist ein liebevoll ausgestattetes Stück entstanden. Ebenfalls für die Regie engagiert war Dunja Rühl. Die Grimmels-Absolventin wirkte hinter den Kulissen mit. Deshalb galt der lang anhaltende Applaus nicht nur den Akteuren auf der Bühnen, sondern auch Regie und Technik, für die Simon Litterst und Nicolaj Slaby verantwortlich zeichneten.

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt

Überaus gelungener Zeitsprung in die 20er Jahre

Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums inszenierte im Salmen den Kästner-Klassiker „Emil und die Detektive“

Eine spannende und humorvolle Inszenierung von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ unter der Leitung von Paul Barone und der ehemaligen Grimmels-Schülerin Dunja Rühl ging am Donnerstag- und Freitagabend im voll besetzten Salmen über die Bühne.

Aus einem banalen, wenn auch ärgerlichen Ereignis im Zug – dem eingeschlafenen Emil werden 120 Mark gestohlen – schuf Kästner eine spannende Geschichte, welche die Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums – rund 25 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen sieben bis neun – in einer knapp zweistündigen Inszenierung mit viel Engagement auf die Bühne brachte.

Paul Barone und Dunja Rühl gelang eine mitreißende Umsetzung des Kästner-Klassikers, in der sowohl die zeitlos gültigen Werte wie Freundschaft, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit zur Geltung kamen als auch der Wortwitz und Humor des Stückes.

Ausgezeichnet besetzt war die Hauptrolle mit Lukas Herrmann, der souverän den sowohl braven als auch cleveren Jungen Emil aus Neustadt spielte, der auf seiner ersten Reise nach Berlin in ein spannendes Abenteuer gerät, das er dank seiner neuen Freunde mit viel Mut und Einfallsreichtum meistert. Zu diesen gehört Emils Cousine Pony Hütchen (Joana Günther), die immer nur mit ihrem Fahrrad auftauchte, Gustav mit der Hupe (Lukas Groh), der sich immer schon von Weitem mit schrillem Gehupe ankündigte, der wortgewandte Professor (Laura Göppert), der kleine Dienstag (Charles Thiebaud), die Schwestern Mittenzwey (Lena Vetter) und Mittendrei (Hannah Schipperges), der verlässliche Bleuer (Nikolaij Kiefer), sowie Gerold (Jakob Fischer) und Grete (Caroline Scheringer).

Sie alle waren voll bei der Sache, als sie die Diebin – gekonnt verkörpert von Nadine Mika – aufspürten und schließlich als Höhepunkt durch den voll besetzten Salmen jagten – inklusive Pony Hütchen mit ihrem Fahrrad. Am Bankschalter erreichten sie dann endlich die Festnahme der schon lang gesuchten Banditin. Nun kam auch Kommissar Lurje ins Spiel. Er wurde von Lukas Rieder verkörpert, der seine Rolle selbst interpretiert hatte: als einen faulen, dickleibigen Beamten, der sich ganz dem Genuss von Essen und Trinken hingibt, sich aber für einen unwiderstehlichen, leidenschaftlichen Mann hält. Mit seinem gelassenen, sicheren Auftreten eroberte er die Herz aller Zuschauer.

Zum Abschluss wurde bei Emils Großmutter (Denise Wußler) gefeiert, zu der auch Emils Mutter (Svenja Böhm) kam, die sich wie immer große Sorgen gemacht hatte: ein gelungenes Happy End!

Obwohl die Inszenierung auf eine größere Kulisse verzichtete, ließen die vielen Requisiten, die passenden Kostüme und musikalischen Einlagen einen fast perfekten Zeitsprung in die 20er Jahre zu.

Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die größtenteils zum ersten Mal auf der Bühne standen, wurden vom Publikum für die monatelange Probezeit mit tosendem Beifall belohnt.

Anja Wolff, Badische Zeitung