Momo

Momo als Mahnung zur Menschlichkeit

Theater-AG des Grimmelshausen-Gymnasiums überzeugt auf der Salmen-Bühne mit aktualisierter Fassung des Kinderbuchklassikers

Über begeisterte Zuschauer konnte sich die Theater-AG der Mittel-und Oberstufe des Grimmelshausen-Gymnasiums freuen, die am 12. und 13. November im vollbesetzen Salmen-Saal Michael Endes „Momo“ auf die Bühne brachte. 25 Schülerinnen und Schüler zeigten ein bilderreiches Schauspiel mit einem gelungenen Zusammenspiel von Standbildern und bewegten Szenen, in spannender und ausdrucksstarker Darstellung.

Das Stück „Momo“ handelt von den sogenannten „Grauen Herren“, welche den Menschen die Zeit stehlen und von dem Mädchen Momo am Ende besiegt werden. Es beschäftigt sich mit der Gefahr, die eigene Lebenszeit zu verlieren. Mit passend eingesetzten Lichteffekten wurde den heiteren, aber auch bedrohlichen Situationen Ausdruck verliehen. Das Spiel der jungen Leute auf der Bühne ebenso wie Momos Auftritte waren jedes Mal hell beleuchtet. Als ein Gewitter aufzog, begannen die Lichter zu flackern, die Grauen Damen dagegen wurden bei ihren Szenen immer nur in einem bedrohlichen Schummerlicht gezeigt.

Die Geschichte wurde von Musik untermalt, welche auf die verschiedenen Szenen abgestimmt war. Gegensätze, die das Gute und das Böse symbolisierten, spiegelten sich auch in den Kostümen wider. Die bunt gekleidete Momo und ihre Freunde strahlten Lebensfreude und spielerische Leichtigkeit aus. Sie standen im krassen Gegensatz zu den in grau gekleideten Damen, welche eine lebensfeindliche Haltung verkörperten. In dem Augenblick, als Momo mit Hilfe der Stundenblume die gesamte Zeit der Welt anhält, um die von den Grauen Damen eingefrorenen Stundenblumen aufzutauen, wurde eine Videosequenz eingeblendet. Die Zeichnungen einer aufblühenden Stundenblume, einer Lilie, wurden von Rebecca John – einer ehemaligen Schülerin, die 2009 ihr Abitur am „Grimmels“ absolvierte – mit viel Liebe zum Detail in wochenlanger Arbeit angefertigt.

Denise Wußler bewies durch besondere Disziplin, wie sie in der Rolle der Momo aufging. In jeder ihrer Szenen konnte sie das Publikum durch ihre anfangs stille, später jedoch ausdrucksstarke und gefühlsbetonte Darstellung in ihren Bann ziehen. Lukas Rieder zeigte in überzeugender Weise durch seine Körperbeherrschung und Gestik, dass er für die Rolle des Beppo wie geschaffen war. Aber auch Joana Günther bewies ihr Talent durch ihre Bühnenpräsenz. War sie zu sehen, galt fast die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums ihr, denn sie wusste, wie sie sich als gemeine Graue Dame durch besondere Akzente in der Aussprache in Szene setzen musste und wie sie als Anführerin der Grauen Damen (Svenja Böhm, Nadine Mika, Tabea Mündlein, Caroline Scheringer, Jana Wollenzin und Lukas Herrmann) durch ihre Körpersprache Respekt erlangte.

Die anderen Schauspieler standen jedoch in nichts nach. Sie alle überzeugten durch Ausdruck, Disziplin und Textsicherheit.

Zusammen mit Paul Barone, Theaterlehrer am Grimmelshausen-Gymnasium, schrieben die Jugendlichen einige der Szenen um, fügten eigene Szenen hinzu und verfassten neue Dialoge, wodurch das Stück an Aktualität gewann. Auch die Neubesetzung der Grauen Herren durch die Grauen Damen verlieh dem Schauspiel einen Hauch von Emanzipation und Schwung.

In einer der neu geschriebenen Szenen sah man, wie alle Freunde Momos mit einem Laptop auf dem Schoß saßen und nur noch ihrem Computer Aufmerksamkeit schenkten. Momos Bemühungen, ihre Kameraden zum gemeinsamen und lebendigen Miteinander zu bewegen, scheiterten. Hier wurde klar, worauf das Stück hinaus wollte. Die Gefahr der Vereinsamung Jugendlicher durch moderne Kommunikationsmittel ist heutzutage ein brandaktuelles Thema. Momo stellt in dem Stück die einzige Person dar, die noch die Fähigkeit besitzt, ihr Leben unabhängig und selbst zu gestalten. Sie geht verantwortlich mit ihrer Lebenszeit um und kann sich somit Zeit für andere Menschen nehmen.

Mit starkem Applaus und viel Lob ehrte das Publikum die Schauspieler und die Akteure hinter dem Vorhang. Sie alle hatten über Monate viel Zeit in ihr Projekt investiert und das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Ein schöner Abend endete mit Danksagungen für die tolle Leistung und den Zeitaufwand von Paul Barone, der den jungen Schauspielern stets zur Seite stand.

Bainca König, Offenburger Tageblatt, 19. November 2009