Kollektives Gedächtnis jugendlichen Nachdenkens über Demokratie

Von Ralf Burgmaier, Badische Zeitung vom 22. März 2019

Foto: Robert Ulmmann

Paul Barone, Leiter der Jungen Theaterakademie Offenburg, hat im Auftrag der Stadt Offenburg ein Demokratiebildungsprojekt für junge Leute entwickelt.

OFFENBURG (rab). Mit dem Projekt „Baukasten Demokratie“ soll die Erinnerungsstätte Salmen und der Anspruch Offenburgs, Freiheitsstadt zu sein, mit jugendlichem Leben erfüllt werden. Das Projekt, das sein Architekt Paul Barone, Lehrer am Grimmelshausen-Gymnasium und Leiter der Jungen Theaterakademie Offenburg, am Mittwochabend dem Kulturausschuss vorstellte, wurde mit Begeisterung aufgenommen.

Kurzfristig war der Punkt „Wie geht es weiter mit dem Umbau des Salmen zu einer Erinnerungsstätte?“ von der Tagungsordnung gestrichen worden. Da die Regierungsbildung in Berlin 2017/18 lange gedauert habe, sei man dort mit dem Antrag aus Offenburg auf rund 2 Millionen Euro Fördermittel in Verzug, so Bürgermeister Hans-Peter Kopp zur Erläuterung. Doch wie Regina Heilig (CDU) in der Sitzung des Ausschuss später erklärte, ist das eigentlich ein Glücksfall. Die CDU hatte sich bis dato schwer getan, einem Umbau zuzustimmen, ohne zu wissen, was die dort gezeigten Inhalte seien. Nach der Präsentation des Projekts durch Paul Barone falle dies nun leichter so Heilig. Jens-Uwe Folkens (SPD) zeigte sich begeistert, dass mit diesem Schritt die „Freiheitsstadt Offenburg“ beginne, keine schlichte Behauptung mehr zu sein.

Wie Kopp erklärte, habe die Junge Theaterakademie mit Ausschnitten ihrer eindrucksvollen Produktion „Gutenbergs Traum“ keineswegs zufällig einen Gastauftritt beim Neujahrsempfang 2019 der Stadt gehabt. Die eindrucksvolle Theaterarbeit unter der Leitung von Paul Barone, die die jungen Schauspieler/innen und Produktionsbeteiligten in die Entwicklung der Stückinhalte wesentlich einbezieht, sei für ihn und die städtische Kulturchefin Carmen Lötsch Anlass gewesen, Barone um ein besonderes Projekt zu bitten, das die Demokratiebildung junger Leute effektiv in Gang setze.

Dem Ausschuss stellte Barone sein Projekt „Baukasten Demokratie“ vor. Nach den Worten von Wolfgang Gall, Leiter von Stadtmuseum und -archiv, handelt es sich dabei um eine nachhaltige Form gelebter Erinnerungskultur, die zu 50 Prozent vom Land und zu 50 Prozent von der Stadt und ihren Partnern wie der Sparkassenregionalstiftung finanziert werde. Wie Paul Barone ausführte, soll es dabei diesmal nicht um Theater, sondern – der erhofften stärkeren Breitenwirkung wegen – um das Medium Film gehen. Jugendliche von allen Schularten der Stadt sollen animiert werden, aus ihrer Sicht Kurzfilme zum Thema Demokratie, ihre Chancen und ihre Herausforderungen heute, zu drehen. Mit professioneller Unterstützung sollen sie dabei ihre eigenen Vorstellungen entwickeln. Auf einer Homepage würden diese dann eingestellt als „kulturelles Archiv von Schülern für Schüler und Erwachsene“. Von dieser Sammlung solle ein Impuls für andere Klassen ausgehen, sich ebenfalls zu beteiligen. Bis zu den Heimattagen 2022 erhoffe man sich einen Pool an Filmen zu erhalten, der ein kollektives Gedächtnis des jugendlichen Nachdenkens über Demokratie darstellen soll. Räumlich verortet sein soll diese Arbeit in der künftigen Erinnerungsstätte Salmen – eventuell über eine Medienstation dort. So könne auch die Identifikation junger Leute mit diesem besonderen Ort der Demokratiegeschichte wachsen, in dem sich Glanz und Elend der letzten 172 Jahre deutscher Historie wie in einem Brennglas begegnen. Da das Kulturministerium derzeit einen „Leitfaden Demokratiebildung“ entwickle, hoffe man, so Barone, sich darin modellhaft einbringen zu können.

Unter Leitung von Paul Barone

Freiheitsstadt Offenburg startet Projekt „Baukasten Demokratie“

Ines Schwendemann, Offenburger Tageblatt vom 24. März 2019

Das Projekt »Baukasten Demokratie« läuft an. Leiter ist Paul Barone, Lehrer am Grimmelshausen-Gymnasium. Schüler sollen Kurzfilme zu Fragen der Demokratie entwickeln. Das Projekt soll im Salmen verortet werden.
 

In Sachen Bewerbung um Fördermittel für  den Salmen hat sich zwar laut Bürgermeister Hans-Peter Kopp noch nichts getan, umso mehr aber beim Projekt »Baukasten Demokratie«, das Paul Barone, Lehrer am Grimmelshausen-Gymnasium und Leiter der Jungen Theaterakademie Offenburg, entwickelte und am Mittwoch im Kulturausschuss vorstellte. Er möchte den Salmen mit »Inhalten bereichern, die von Schülern erstellt wurden«, sagte er. Die Stelle für Barone sei für vier Jahre genehmigt worden, teilte Kopp mit. 50 Prozent der Kosten trügen die Stadt und ihre Partner, 50 Prozent das Land.

Kurzfilme erstellen

Die Grundidee sei, dass Schüler verschiedener Offenburger Schulen Kurzfilme zu Fragen der Demokratie drehen. Die Filme sollen dann in ein »kulturelles Archiv« im Internet gestellt werden. »Wir wollen auch zeigen, wie Jugendliche heute Demokratie erleben«, sagte Barone. Das Projekt »Baukasten Demokratie« solle in der Erinnerungsstätte Salmen verortet werden. Dabei wolle man nicht nur negative, sondern auch gefährdete Aspekte der Demokratie behandeln. Er könne sich vorstellen, die Videos über eine Medienstation im Salmen für Besucher zugänglich zu machen, sagte Barone. 

Das Projekt funktioniert folgendermaßen: Die Schüler­ entscheiden sich für einen Baustein der Demokratie (Geschichte, Gegenwart, Erinnerung, Visionen), verfassen ein Drehbuch und können dann mithilfe einer professionellen Filmausstattung und Experten aus der Hochschule Videos drehen. »Dann werden die Filme der Öffentlichkeit präsentiert«, erklärte Barone. 

Bereits in diesem Schuljahr würden sich zwei Schulen am Projekt beteiligen, das Grimmelshausen-Gymnasium und die Erich-Kästner-Realschule. »Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen sich mit Offenburg und der Geschichte der Stadt identifizieren können«, sagte Barone. 

»Das Projekt wird uns zwischen 10 000 und 12 000 Euro im Jahr kosten, aber der Mehrwert ist groß«, sagte Bürgermeister Kopp. »Wir sind nicht nur Freiheitsstadt, weil wir das sagen, sondern auch, weil wir dahingehend Produkte entwickeln«, machte Kopp deutlich. 

»Wir wollen uns für das Förderprogramm Movies in Motion bewerben«, erklärte Barone. Zudem arbeite er bereits jetzt mit dem Stadtarchiv, der Volkshochschule und verschiedenen Schulen zusammen. Bis zu den Heimattagen 2022 soll ein Pool an Filmen bereitstehen.

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