15. Offenburger Schultheatertage

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt08. Februar 2019

 

Bei der Abschlussveranstaltung der Schultheatertage am Freitag stehen auch die Schüler der Literatur- und Theaterkurse am Schiller-Gymnasium auf der Bühne. In der Reithalle zeigen sie, was sie in den vergangenen drei Tagen zum Thema »Präsenz« gelernt haben.

»Es geht um Präsenz, und dazu braucht es Zuschauer«, sagt Fu-Li Hofmann. Deshalb schickt der Theaterpädagoge aus Aalen, der zum vierten Mal bei den Offenburger Schultheatertagen einen Kurs gestaltet, die Schüler gleich durchs Schulhaus. In die Mensa, ins Lehrerzimmer und in ein Klassenzimmer des Schiller-Gymnasiums sollen die 24 Teilnehmer aus den Literatur- und Theaterkursen als »Heuschrecken« einfallen.

Einfach sei ein solches Heimspiel nicht, räumt der Theaterpädagoge ein. Es gelte, trotz des Lampenfiebers die Spannung zu halten: Kichern, Lächeln oder auch Bewegung nutzen Menschen normalerweise dazu, um ihre Anspannung abzubauen. Aber das ist jetzt tabu, obwohl man – oder weil – man die Menschen kennt, für die man spielt.

Als »Heuschrecken« sind die Jugendlichen im Schulhaus unterwegs. Erst stürmt eine den Raum, bleibt unvermittelt stehen und bewegt sich nicht mehr. Nach einer Zeit kommt die zweite, dann noch eine, in immer schnellerem Tempo fallen die weiteren ein, und schließlich rauscht die ganze Horde an. »Dass plötzlich viele kommen, ist noch mal eine Überraschung, nachdem sich die Menschen im Raum schon daran gewöhnt haben, dass jemand hereinkommt, und schweigend dableibt«, erläutert Hofmann das Prinzip.

Als die Schüler aus dem Lehrerzimmer zurückkommen, sind sie nicht ganz zufrieden. Die Lehrerin, die da war, habe nur mal kurz den Kopf gehoben, berichten sie. Hofmann weiß, woran es liegt: Lautstark hatte die Gruppe die erste »Heuschrecke« angefeuert – dieser Tumult zuvor hatte die Zuschauer vorgewarnt und die Wirkung war verpufft. Also macht sich die Gruppe auf, um ein Klassenzimmer einzunehmen. Marlene (17) ist die erste. Sie rennt hinein, setzt sich und starrt vor sich hin. »Keinen anzuschauen ist schon eine Herausforderung«, berichtet sie. Aber als die Mathe-Schüler beginnen, das Geschehen zu interpretieren, weiß die Schauspiel-Gruppe sicher: Sie haben ihr Ziel erreicht.

Zeit für eine neue Aufgabe. Zurück im Schillersaal, erklärt Hofmann den Schülern den kleinen Kreislauf von Gegenbewegung, energischer und langsamer werdender Bewegung und Statik. Aus dieser ergibt sich dann wieder eine neue Bewegung. Malte (16) startet am Boden: »So beginne ich, wenn ich surfen will«, erklärt er. Allerdings ist schon bald die Herausforderung, sich neue Bewegungen zu überlegen: »Obwohl sie ganz natürlich sind, fühlt es sich komisch an«, berichtet er.

Schließlich sollen die Schüler paarweise mit einem Stuhl eine abgesprochene Bewegungskette einstudieren. Michelle (16) und Joana (17) haben eine Story daraus gemacht: Als die eine vom Stuhl aufsteht, setzt sich die andere – es entwickelt sich ein Streit in Endlosschleife. Sie feilen, bis die Ministory bühnenreif ist. Ob das am Freitag bei der Abschlussveranstaltung in der Reithalle zur Aufführung kommt oder bis dahin etwas Neues entstanden ist – wer weiß.

Dass es beim dreitägigen Workshop viele Anregungen gibt, die einen weiterbringen, findet Mara (17). Die stellvertretende Schülersprecherin will später in den Bereich PR oder Moderation gehen: »Ich fand die Übungen fürs Hier und Jetzt super: Ich war wirklich ganz darauf konzentriert.«

Alle Teilnehmer der Schultheatertage zeigen am, Freitag, 8. Februar, ab 13 Uhr in der Reithalle ihre Arbeiten.

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