15. Offenburger Schultheatertage

Schultheatertage 2019

Auch Impro-Theater war dabei

 

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt9. Februar 2019
Chapeau! Bei den 15. Schultheatertagen in Offenburg zeigten die Schüler bei der Abschlussgala in der Reithalle, was sie in drei Tagen gelernt hatten. Dabei wurde die Entwicklung deutlich: Während die jüngeren mit dem Körper kommunizierten, hatten die älteren beim Stehgreiftheater Gags auf Lager.

Am Ende steht der große Moment: Nachdem sich die Schüler während der Schultheatertage mit verschiedenen Formen und Techniken auseinandergesetzt hatten, standen sie gestern bei der Abschlussveranstaltung auf der Bühne. In der Reithalle zeigten sie in kleinen Darbietungen, was sie bei der 15. Auflage der Veranstaltung gelernt hatten.

Jeder der 16 Kurse präsentierte sich, angefangen von den Jüngsten, die als Clowns, Bremer Stadtmusikanten oder Raben auf der Bühne standen – Darbietungen, die ohne Text auskamen.
Die Schüler der Oberstufe dagegen brillierten mit einem Improvisationstheater, bei dem sogar das Publikum mitmachen durfte. Theaterlehrer Rainer Jülg forderte das Publikum nicht nur auf, das Theater durchs Rückwärtszählen zu starten, sondern auch, vorzugeben, wo es spielen soll. »Ihr dürft jeden Ort wählen, nur nicht das Klo oder den Zahnarzt«, sagt Jülg. Dann bitte am Strand: Der Brillenverkäufer drehte einer Touristin eine Brille aus dem Mantel und just, als sie sich beim Bezahlen die Hände reichten, wurde eine Person ausgetuscht: Auf sein Klatschen hineinsprang der nächste Darsteller in die Szene.

Das Bild wurde übernommen, der Inhalt freilich nicht: Es folgten ein Heiratsantrag, eine Tanzstunde mit verzerrtem Bein, Yoga- und Gebetsstunden, ein Besäufnis und eine renitente Tochter, die nicht mehr aufstehen wollte. Mit ihrer ideenreich weitergesponnene Geschichte begeisterten die Schüler von Marta-Schanzenbach-Gymnasium (Gengenbach), Oken- und Kloster-Gymnasium sowie Erich-Kästner-Realschule das Publikum.
Als sie im Publikum saßen kicherten die Sechstklässler genauso wie als sie auf der Bühne standen: Einer schaffte es nicht, beim Intro zum modernen Tanz über den anderen zu hüpfen und beide fielen um. »Einfach weitermachen«, befahl eine Stimme aus dem Off. Dann zeigten die Tänzer aus dem Fußball entlehnte Tanzsszenen, die Josefine Bröckemann mit ihnen erarbeitet hatte.

Manchen kostete es sichtbar Mut, auf der Bühne zu stehen, aber »Gemeinsam sind wir stark« ließen Sechst- und Siebtklässler des Grimmelshausen-Gymasiums per Silben-Botschaften wissen. Zunächst hatten sie »Ge-mein« in Szene gesetzt. Bei »Eine schöne Stimme« waren die Schüler zum Teil auf sich alleine gestellt: Erst stand nur ein Mädchen auf der Bühne, dann wurden es immer mehr. Am Schluss rappte ein Junge, während die anderen den adaptierten Queen-Song »Bohemian Rhapsody« mit Beat-Box untermalten. Für die starke Nummer, die Patrick Labiche mit den Schülern erarbeitet hatte, gab es sehr viel Applaus.

Bürgermeister Hans-Peter Kopp ermunterte die Schüler, das Angebot wahrzunehmen: Nur vier der 1100 Kommunen in Baden-Württemberg haben ein solche Angebot. Joachim und Gabriele Prasser gehören zu den Initiatoren der Reihe, die es seit 28 Jahren gibt. Inzwischen organisieren auch Paul Barone, Herta Haupt-Cuciu und Annette Müller mit.

Kulturbüro-Leiter Edgar Common, der die Abschlussveranstaltung launig moderierte, blickte bereits voraus: »Die Schultheatertage finden alle zwei Jahre statt: Das nächste mal feiern wir also 30-jähriges Bestehen.«

Auftritt in der Reithalle als Abschluss

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt08. Februar 2019

 

Bei der Abschlussveranstaltung der Schultheatertage am Freitag stehen auch die Schüler der Literatur- und Theaterkurse am Schiller-Gymnasium auf der Bühne. In der Reithalle zeigen sie, was sie in den vergangenen drei Tagen zum Thema »Präsenz« gelernt haben.

»Es geht um Präsenz, und dazu braucht es Zuschauer«, sagt Fu-Li Hofmann. Deshalb schickt der Theaterpädagoge aus Aalen, der zum vierten Mal bei den Offenburger Schultheatertagen einen Kurs gestaltet, die Schüler gleich durchs Schulhaus. In die Mensa, ins Lehrerzimmer und in ein Klassenzimmer des Schiller-Gymnasiums sollen die 24 Teilnehmer aus den Literatur- und Theaterkursen als »Heuschrecken« einfallen.

Einfach sei ein solches Heimspiel nicht, räumt der Theaterpädagoge ein. Es gelte, trotz des Lampenfiebers die Spannung zu halten: Kichern, Lächeln oder auch Bewegung nutzen Menschen normalerweise dazu, um ihre Anspannung abzubauen. Aber das ist jetzt tabu, obwohl man – oder weil – man die Menschen kennt, für die man spielt.

Als »Heuschrecken« sind die Jugendlichen im Schulhaus unterwegs. Erst stürmt eine den Raum, bleibt unvermittelt stehen und bewegt sich nicht mehr. Nach einer Zeit kommt die zweite, dann noch eine, in immer schnellerem Tempo fallen die weiteren ein, und schließlich rauscht die ganze Horde an. »Dass plötzlich viele kommen, ist noch mal eine Überraschung, nachdem sich die Menschen im Raum schon daran gewöhnt haben, dass jemand hereinkommt, und schweigend dableibt«, erläutert Hofmann das Prinzip.

Als die Schüler aus dem Lehrerzimmer zurückkommen, sind sie nicht ganz zufrieden. Die Lehrerin, die da war, habe nur mal kurz den Kopf gehoben, berichten sie. Hofmann weiß, woran es liegt: Lautstark hatte die Gruppe die erste »Heuschrecke« angefeuert – dieser Tumult zuvor hatte die Zuschauer vorgewarnt und die Wirkung war verpufft. Also macht sich die Gruppe auf, um ein Klassenzimmer einzunehmen. Marlene (17) ist die erste. Sie rennt hinein, setzt sich und starrt vor sich hin. »Keinen anzuschauen ist schon eine Herausforderung«, berichtet sie. Aber als die Mathe-Schüler beginnen, das Geschehen zu interpretieren, weiß die Schauspiel-Gruppe sicher: Sie haben ihr Ziel erreicht.

Zeit für eine neue Aufgabe. Zurück im Schillersaal, erklärt Hofmann den Schülern den kleinen Kreislauf von Gegenbewegung, energischer und langsamer werdender Bewegung und Statik. Aus dieser ergibt sich dann wieder eine neue Bewegung. Malte (16) startet am Boden: »So beginne ich, wenn ich surfen will«, erklärt er. Allerdings ist schon bald die Herausforderung, sich neue Bewegungen zu überlegen: »Obwohl sie ganz natürlich sind, fühlt es sich komisch an«, berichtet er.

Schließlich sollen die Schüler paarweise mit einem Stuhl eine abgesprochene Bewegungskette einstudieren. Michelle (16) und Joana (17) haben eine Story daraus gemacht: Als die eine vom Stuhl aufsteht, setzt sich die andere – es entwickelt sich ein Streit in Endlosschleife. Sie feilen, bis die Ministory bühnenreif ist. Ob das am Freitag bei der Abschlussveranstaltung in der Reithalle zur Aufführung kommt oder bis dahin etwas Neues entstanden ist – wer weiß.

Dass es beim dreitägigen Workshop viele Anregungen gibt, die einen weiterbringen, findet Mara (17). Die stellvertretende Schülersprecherin will später in den Bereich PR oder Moderation gehen: »Ich fand die Übungen fürs Hier und Jetzt super: Ich war wirklich ganz darauf konzentriert.«

Alle Teilnehmer der Schultheatertage zeigen am, Freitag, 8. Februar, ab 13 Uhr in der Reithalle ihre Arbeiten.

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